Die Aufgabe gestaltete sich von Anfang an sehr spannend. Als Projektleiter braucht man zum Start dieses Projekts nur sehr wenig. Ich hatte zu Beginn, als ich das erste Mal der Klasse vorsprach, nicht mehr als eine Idee im Kopf und ein Post-It-Zettelchen in der Hand. Zu Beginn dieser Arbeit wird erwähnt, dass es aber sicher eines braucht: einen richtigen und echten Auslöser (vgl. 4.2.1). Ich war wirklich in der glücklichen Lage, einen echten Auslöser zu „besitzen“. Ich erinnere: die Kolumbianerin mit knappen Deutschkenntnissen. Alle Schülerinnen und Schüler meiner Klasse wollten sie besser
Dominik Steinböck
verstehen lernen. Rückwirkend glaube ich, dass dies vor allem der Motor für den Eifer der Schülerinnen und Schüler war. (Natürlich blieb es mir hie und da trotzdem nicht erspart, etwas Motivationsarbeit zu leistenJ). Heute bin ich aber überzeugt, dass man ein solches Projekt nicht aus dem hohlen Bauch heraus, ohne authentischen Grund, starten sollte; die betroffene Klasse muss mindestens ein grosses Mitspracherecht haben. Das hatte die Klasse bei mir zwar nicht, doch sie war selbst motiviert, diese Arbeit durchzuführen.
Die Versuchung, ein solches Projekt aufzuziehen ist gross. Nachfolgend möchte ich - um Frust zu vermeiden - auf eventuelle Gefahren und Stolpersteine aufmerksam machen:
13.2.1.2 Stolpersteine Technik
Wahl der Kamera: Hierbei habe ich mir den ärgerlichsten Fehler geleistet. Ich wählte zur Aufnahme eine WebCam (Logitech Clicksmart 510) und testete sie nur unzureichend. Ich überprüfte wohl, welches Format sie produziert und war damals mit dem Ergebnis (zu) schnell zufrieden. Die Clicksmart produziert ein *.AVI-Format. Einem einigermassen geübten Computerbenutzer wie mir sagt dies, dass ich diese Filme problemlos in eine PowerPoint-Präsentation einflechten kann. Auf meinem eigenen Windows-PC ging dies sehr gut, auch auf meinem Notebook klappte es bestens. (Heute: kein Wunder, auf beiden Geräten war die Clicksmart 510 als WebCam installiert gewesen) Das Erwachen kam erst, als wir die Dreharbeiten schon abgeschlossen hatten und alle Sequenzen in die Präsentation eingefügt waren und das ganze AVW auf CD gebrannt war. Diese CD sprang nämlich schon beim nächsten PC nicht mehr sauber an. Der Ton war zu hören, ein Film war aber nicht zu sehen. Es fehle ein Codec, hiess es. Für PC’s war das Problem zu lösen. Auf der offiziellen Logitech-Homepage konnte ein Codec passend für Windowscomputer herunter geladen werden. Für sämtliche Apple-Computer gibt es bis heute keine Lösung. Logitech verneinte die Anfrage, in nächster Zeit einen mac-tauglichen Codec bereitzustellen.
Selber haben wir danach das Problem von zwei Seiten her angepackt.
Wir wollten sämtliches *.AVI-Filmmaterial in ein gängigeres Format konvertieren. Konvertiert haben die Computer immer ganz brav, genützt hat es allerdings nicht.
Als Zweites sind wir auf die Suche nach Kameras gegangen, welche andere allgemeintaugliche Formate liefern. Dabei sind wir sehr schnell bei Sony fündig geworden. Tauglich sind die meisten MPEG-Formate. Sicherheitshalber sollte man aber auch die auf PC’s wie auch auf Macs testen.
Viele Geräte viel KnowHow:
Um ein Projekt dieser Grössenordnung in der Schule durchzuziehen, braucht man erstens einiges an Geräten und Programmen (vgl. 3.8 u. 3.9). Das reine Vorhandensein von all diesen Geräten und Programmen reicht noch nicht aus. Es muss immer eine Person zur Stelle sein, die das Gerät oder Programm auch bedienen kann, ohne dass für die Klasse oder Gruppe eine Wartezeit entsteht. Solche Kunstpausen nehmen der ganzen Gruppendynamik viel Wind aus den Segeln. Letztlich werden Sie jede noch so kleine Brise brauchen. Verschaffen Sie sich also frühzeitig das nötige Know-how.
13.2.1.3 Stolpersteine Personell
Muttersprache:
Nicht immer beherrschen die Schülerinnen und Schüler ihre Muttersprache sehr gut (traurig, aber wahr). Sie benötigen teils grosse Hilfe. Bei manchen Sprachen können Lehrkräfte hilfreich zur Seite stehen. Wer von uns beherrscht selber aber Albanisch, Kosovoalbanisch, Türkisch, Kurdisch, Mazedonisch, Rumänisch, Italienisch, Spanisch und Französisch so gut, dass er über alle Zweifel erhaben ist? Wahrscheinlich niemand. Die Schülerinnen und Schüler müssen sich also oft die Hilfe anderswo holen. Dies können Bekannte und Verwandte sein. Die Erwachsenen beherrschen ihre Muttersprache meist noch besser als ihre Kinder. Trotzdem sollte man sich nicht zu grosse Illusionen machen, dass dann alles stimmen würde. Hier stellt sich die Frage nach dem Anspruch, den wir an ein solches Projekt stellen.
„Meilensteine“:
Für den Projektleiter ist immer klar, wo er mit der Gruppe im Projekt steht. Bei den einzelnen Gruppenmitgliedern ist dies nicht immer so. Sobald die Gruppenmitglieder zu lange im Unklaren über den Stand der Arbeiten sind, werden sie mit ihrer eigenen Motivation zu kämpfen haben. Um dem vorzubeugen sollte man in der Projektskizze (vgl. 4.2.2) so genannte „Milestones“ definieren. Jedes Erreichen eines Meilensteines wird der Gruppe bekannt gemacht und angemessen „gefeiert“.
Zeitmanagement:
Es sei nochmals darauf hingewiesen, dass der Zeitbedarf für die Umsetzung des AVW enorm hoch ist. Als Klassenlehrer einer Sekundarschulklasse Niveau A (Baselland) unterrichte ich in meiner eigenen Klasse ca. 23 Lektionen pro Woche, was mir etliche Zeitgefässe zur Verfügung stellte. Ich halte es für ausgeschlossen, ein solches Projekt in diesem Ausmass als Fachlehrer mit wenigen Lektionen in einer Klasse durch zu führen.
13.2.1.4 Schlusswort des Projektleiters
Das eigene Projekt ist immer das Beste!
In den Monaten während der Arbeit erlebte ich mit meiner Klasse Tiefs, aber vor allem Hochs. Zwar war uns ungewiss, wie andere Schüler oder Lehrer darauf reagieren würden. Grundsätzlich war aber von aussen einiges an Neugierde zu spüren.
Beim Abschluss des Projektes spürten wir alle deutlich, dass unser Werk durchaus gelungen war. Dies bestätigte sich auch am GesamtlehrerInnenkonvent, der uns grossen Applaus einbrachte.
Für uns war das ganze Projekt eine sehr lohnende Erfahrung, die ich ohne die Mitarbeit meiner Klasse nicht hätte verwirklichen können.
Ich danke meinen Schülerinnen und Schülern an dieser Stelle nochmals herzlich dafür.
Ich fand dieses Projekt, welches wir, die Klasse 2Ad gemacht haben, sehr toll. Es war aufregend, denn man hörte zum Teil viele neue Sachen. Also Ausdrücke, die man von sonst so kennt hört man plötzlich in anderen Sprachen. Es war sinnvoll, dass wir das gemacht haben, obwohl wir zu Beginn teilweise ein wenig skeptisch waren. Man kann so viele Sprachen lernen, wenn man will. Es ist nicht schwierig. Es gab sehr viele verschiedene Sprachen wie zum Beispiel: Albanisch, Italienisch, Spanisch, Türkisch usw.
Wir haben an diesem Projekt sehr lange gearbeitet, aber letztlich hat es sich wirklich gelohnt.
Kushtrim Shala, Kosovo
Das Projekt hat mir persönlich sehr gut gefallen. Es war sehr interessant, die verschiedenen Sprachen anzuhören. Zum Teil waren auch sehr lustige Wörter dabei, so lustig, dass wir alle lachen mussten. Und so kam natürlich auch ne Menge Spass mit rein. Das Aufnehmen der Videos hat, denke ich mal, allen sehr viel Spass gemacht: Da mussten wir Bilder zeigen und das entsprechende Wort dazu sagen. Manchmal war es aber auch sehr mühsam und anstrengend, vor allem, wenn man das gleiche oft von vorne wiederholen musste. Aber das Arbeiten und Schwitzen hat sich gelohnt, denn das Projekt ist fertig und man kann es gut verstehen.
Egzona Jusaj, Kosovo
Das audiovisuelle Wörterbuch |
Martin Ziegler (bl), Thomas Minder (bl), Dominik Steinböck (BL)