Informatik-Kaderausbildung Basel-Landschaft, Basel-Stadt und Solothurn 2003/2004
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Das audiovisuelle Wörterbuch


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12. GENDERASPEKTE

Bei der Erarbeitung eines Grundvokabulars, wie es bei der Integration fremdsprachiger Schülerinnen und Schüler in die Regelklassen unserer Volksschule Verwendung finden soll, muss unbedingt grossen Wert auf eine gendermässig ausgeglichene Verteilung der Begriffe gelegt werden.

Dabei gelten die gleichen Grundsätze wie bei der Erarbeitung anderer Lehrmittel, insbesondere von Sprachlehrmitteln:

  • Begriffe mit weiblicher bzw. männlicher Belegung sollen ausgeglichen vorkommen.
  • Begriffe sollen nicht fix mit männlicher bzw. weiblicher Umgebung verbunden werden.

Zur Veranschaulichung: Eine grosse Zahl von Gegenständen aus dem Haushaltsbereich, die von Mädchen präsentiert und visualisiert werden, gegenüber einer Zahl von Begriffen aus dem Bereich der technischen Berufswelt, präsentiert durch Knaben, würde das traditionelle Rollenbild zementieren.

Besonders zu berücksichtigen gilt es, dass in unseren Klassen der Sekundarschule A – und natürlich besonders in den Integrationsklassen für fremdsprachige Schülerinnen und Schüler – zahlreiche Kinder aus Kulturen mit klar traditionell patriarchalischer Rollenteilung zu finden sind. Diese Kinder sind in unserer Schulumgebung mit einer Welt konfrontiert, die zunehmend die Gleichberechtigung der Geschlechter im Alltag wiederspiegelt. Dadurch werden nicht selten Konflikte innerhalb der Migrantenfamilien ausgelöst, oder – falls diese in den Familien nicht offen ausgetragen werden – innere Konflikte der Kinder.

Diesen Schwierigkeiten muss durch eine Thematisierung im Unterricht begegnet werden. Die Erarbeitung eines Grundvokabulars bietet dazu eine gute Gelegenheit. Die Unterschiede der Herkunftskulturen unserer Schülerinnen und Schüler werden mit der bei uns vorherrschenden Kultur verglichen.

Auch wenn wir den Wortschatz für unser Wörterbuch von der Klasse frei und ohne manipulative Eingriffe seitens der Lehrkraft erarbeiten lassen wollen, wird es uns durch diese Thematisierung gelingen, gewisse Korrekturen im Konsens mit der Klasse anzubringen.

Eine einfache Möglichkeit ist es, bei der Verteilung der Aufgaben zur Präsentation in dem Sinne einzugreifen, dass Mädchen eher die traditionell männlich belegten Begriffe zur Vorstellung übernehmen und umgekehrt. So wird denn ein Knabe die Küchengegenstände benennen und ein Mädchen den Inhalt des Werkzeugkoffers.


Das audiovisuelle Wörterbuch | Martin Ziegler (bl), Thomas Minder (bl), Dominik Steinböck (BL)