Informatik-Kaderausbildung Basel-Landschaft, Basel-Stadt und Solothurn 2003/2004
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Das audiovisuelle Wörterbuch


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2. BESCHREIBUNG DES PÄDAGOGISCHEN SZENARIOS

2.1.        Titel: Das audiovisuelle Wörterbuch

2.2.        Kurzbeschreibung

In diesem Szenario wollen wir das Interesse für die verschiedenen Muttersprachen innerhalb einer Gruppe/Klasse wecken. Die Gruppenmitglieder können sich einerseits maximal selber einbringen und anderseits auch sehr viel von den anderen profitieren. Motivation garantiert!

2.3.       Ausführliche Zusammenfassung

„Was man sagen kann, kann man auch klar sagen.“[1] Wir leben in einer Umgebung, in welcher immer mehr Kulturen mit immer mehr unterschiedlichen Muttersprachen aufeinander treffen. So entstehen immer häufiger Missverständnisse, aber auch der Wunsch, sich gegenseitig (besser) verstehen zu können. Die Sprache selbst ist das sicherste Mittel, die Person gegenüber gut zu verstehen. Hier setzt unser pädagogisches Szenario an. Die Gruppenmitglieder definieren gemeinsam den Wortschatz, den sie für den Wichtigsten halten. Diesen Wortschatz übersetzt jedes Gruppenmitglied in seine eigene Muttersprache. Die Beteiligten beginnen sich zuerst mit der eigenen Muttersprache auseinander zu setzen (für einige ist es sogar das erste Mal in ihrem Leben), später erwacht das Interesse an den anderen Sprachen von alleine. Man beginnt sich Worte und Sätze gegenseitig zu erklären und beizubringen. Parallelen verwandter Sprachen werden deutlich.

Die Übersetzungen der verschiedenen Sprachen werden alle zusammengetragen. Somit entsteht ein kleines Wörterbuch, das als Grundlage für viele verschiedene Weiterverarbeitungsmöglichkeiten bietet. In unserem Beispiel wird ein audiovisuelles Wörterbuch auf einer CD entstehen, die dann wiederum etliche Anwendungsmöglichkeiten bietet.

Vor allem in diesem letzten Teil wird der Einsatz technischer Hilfsmittel unumgänglich: Im Web werden Bilder gesucht, im Textverarbeitungsprogramm Plakate erstellt, mit der digitalen Kamera werden Sequenzen aufgenommen und das Ganze wird schliesslich im Präsentationsprogramm zusammengefasst.

2.4.       Schulstufe / Eignung

Dieses Projekt eignet sich von der Sekundarstufe I an für alle Stufen. Es ist im Klassenlehrersystem sicher einfacher umsetzbar, da das Ganze doch erheblich Zeit in Anspruch nimmt.

2.5.       Fachbereich

Das audiovisuelle Wörterbuch deckt gleich mehrere Fachbereiche ab. Diese sind Sprache (Deutsch, Französisch, Englisch, Italienisch u.a.), Theater, Zeichnen & Gestalten, Präsentationstechnik, Informatik & ICT. Eine abschliessende Aufzählung ist nicht möglich, da fast jeder beliebige Fachbereich mit eingebunden werden kann.

2.6.       Lehrplanbezug

Nur schon an unserer kleinen, nicht abschliessenden Aufzählung der Fachbereiche kann man erkennen, dass auch hier nicht alle Lehrplanbezüge gemacht werden können. Im Einzelnen wollen wir aber wenigstens auf die Fachbereiche kurz eingehen, die wir auch bereits erwähnt haben.

2.6.1      Lehrplanbezug – Deutsch

In unserem audiovisuellen Wörterbuch werden nicht nur die Fremdsprachen dargestellt, sondern auch Deutsch. Dies macht vor allem später Sinn, wenn man in der Klasse Schüler hat, die wenig oder gar kein Deutsch beherrschen. Diesen Schülern wird es dadurch möglich, die deutsche Sprache immer wieder exemplarisch hören zu können. Damit das audiovisuelle Wörterbuch seine positive Wirkung hat, müssen die Schülerinnen und Schüler, die den Deutschen Teil produzieren, ganz besonders in Aussprache, Betonung und Redefluss geschult werden. Dies erfordert natürlich auch volles Verständnis bezüglich des Inhalts.

2.6.2      Lehrplanbezug – Französisch, Englisch, Italienisch und Spanisch

Diese vier Sprachen gehören zu den Fremdsprachen, die an unseren Schulen unterrichtet werden. Für unser Projekt gilt es eine weitere Unterscheidung zu machen:

2.6.2.1     Muttersprache

Für alle Schülerinnen und Schüler mit Französisch, Englisch, Italienisch und Spanisch als Muttersprache gelten dieselben Überlegungen, wie für alle Deutsch sprechenden Gruppenmitglieder. Auch sie müssen besonders auf eine klare Aussprache und Betonung achten. Als zusätzliche Schwierigkeit kommt bei den nicht muttersprachig Deutsch sprechenden Schülerinnen und Schülern hinzu, dass sie den Transfer von ihrer Muttersprache ins Deutsche und umgekehrt richtig vollziehen.

2.6.2.2     Fremdsprache

Natürlich wird man in seiner Klasse auch immer einen grösseren Teil deutschsprachiger Schülerinnen und Schüler haben. Nicht alle können und wollen nur bei der Produktion der deutschen Anteile behilflich sein. Es wird immer einige geben, die sehr gerne von sich aus auch Beiträge einer Fremdsprache  produzieren möchten. Diese Schülerinnen und Schüler sind besonders erfreulich, da sie eine erhebliche Mehrarbeit gegenüber den Muttersprachigen auf sich nehmen. Dort ist es von Vorteil, wenn der Projektleiter/die Projektleiterin (in den meisten Fällen wohl die Klassenlehrperson) selbst dieser Fremdsprache einigermassen mächtig ist.

Hier muss auch mit viel Geduld die Aussprache und Betonung trainiert werden. Zudem ist absolutes Vokabelverständnis unerlässlich.

2.6.3      Lehrplanbezug - Informatik & ICT

In vielen Kantonen steckt der Lehrplan für Informatik und ICT noch immer in den Kinderschuhen, was er voraussichtlich der rasanten Entwicklung wegen wohl auch noch lange bleiben wird.

Trotzdem können mit diesem Projekt etliche bestehende Lehrplanziele abgedeckt werden:

Umgang mit Informationstechnologien: Zur Illustration werden in diesem Projekt viele Bilder benötigt. Etliche davon werden selbst in den gängigen Suchmaschinen wie Google nicht sehr einfach auffindbar sein. Die Schülerinnen und Schüler werden wenigstens zum Teil einige Tipps und Kniffe zur erfolgreichen Suche benötigen.

Elementare Systemkenntnisse: Die gesuchten Illustrationen müssen im System so abgelegt werden, dass sie erstens wieder gefunden und zweitens zweifelsfrei identifiziert werden können.

Standardprogramme: Schülerinnen und Schüler müssen den Umgang mit den Standardprogrammen erlernen. Zu diesen gehören Textverarbeitung und Tabellenkalkulation. Erweiterte Standardprogramme sind Bildbearbeitungs- und Bilderfassungssoftware (Scannerprogramme und Programme digitaler Kameras). Bilder und Illustrationen müssen teils weiterbearbeitet (skaliert, ausgeschnitten) werden. Zudem ist es sinnvoll, die Übersetzungen entweder in einem Textverarbeitungsprogramm in einer Tabelle oder in einem Tabellenkalkulations-Programm als Datenbank abzuspeichern.

Präsentationsprogramm: In unserem Projekt haben wir auf das Präsentationsprogramm

MS-Powerpoint zurückgegriffen. Innerhalb des Projektes können so kleine Kurse in Kleinstgruppen an Schülerinnen und Schüler weitergegeben werden. In vielen Lehrplänen gehört Präsentationssoftware zu den Standardprogrammen und ihre Verwendung sollte somit auch vermittelt werden.

2.6.4      Lehrplanbezug - Theater und Präsentationstechnik

Ein audiovisuelles Wörterbuch soll sinnvollerweise eine geordnete Struktur aufweisen und auch die inhaltliche Darstellung sollte einheitlich wirken. Alle Schülerinnen und Schüler sind Individuen und haben ihren eigenen Stil. Diese unterschiedlichen Stile gilt es auf einen Nenner zu bringen, damit dann der Endbenutzer das Produkt auch optimal einsetzen kann. Training in Mimik/Gestik, Handlungsabläufe sowie Betonung und Aussprache kann im Theaterunterricht hervorragend durchgeführt werden, da dies eigentlich nichts anderes als Theater ist.

2.6.5      Lehrplanbezug - Zeichnen & Gestalten

Illustrationsmaterial soll möglichst kontrastreich und (im Video) gut erkennbar sein. Welche Farben und Farbtöne eignen sich? Welche eher weniger? Wie gross muss ein Bild sein, damit es gut erkennbar wird? Wie soll der Bildausschnitt gewählt werden? All dies sind Fragen, die im täglichen Zeichnen & Gestaltenunterricht beantwortet werden müssen. Illustrationen können auch im Zeichenunterricht erstellt werden.

2.7.       Lernziele

  • Die Schülerinnen und Schüler setzen sich mit ihrer eigenen Muttersprache auseinander.
  • Die Schülerinnen und Schüler lernen kleine Brocken von anderen Sprachen kennen und können diese auch wiedergeben.
  • Die Schülerinnen und Schüler kommen anderen Kulturen näher.
  • Die Schülerinnen und Schüler können sich selber (auch vor der Kamera) präsentieren.
  • Die Schülerinnen und Schüler achten vermehrt auf ihre eigene Aussprache und Betonung.
  • Die Schülerinnen und Schüler werden sicherer im Umgang mit Internet und Internetrecherche.
  • Die Schülerinnen und Schüler vertiefen ihre Basissystemkenntnisse.
  • Die Schülerinnen und Schüler vertiefen ihre Kenntnisse in Standardprogrammen (Textverarbeitung, Tabellenkalkulation, Präsentationsprogramm).
  • Die Schülerinnen und Schüler erwerben Kenntnisse in erweiterten Standardprogrammen (Scannersoftware, Software digitaler Kameras und Bildbearbeitungsprogrammen).
  • Die Schülerinnen und Schüler sehen und erleben den gesamten Projektablauf.

2.8.       Verwendete Medien, ICT

  • Internet
  • Computer
  • Digitale Kamera, digitale Filmkamera
  • Scanner
  • Standardprogramme und erweiterte Standardprogramme
  • Elektronische Wörterbücher
  • Gedruckte Wörterbücher

2.9.       Technische Voraussetzungen

  • Wichtigste technische Voraussetzung ist eine digitale Filmkamera, die ein plattformunabhängiges (Windows, Mac OS, Linux) Format produziert. Oder wenigstens sollte sichergestellt sein, dass zum Filmformat und zur Plattform ein entsprechender Codec existiert (.jpg ist nicht gleich .jpg oder .avi ist nicht gleich .avi)
    Viele digitale Fotokameras können Kurzfilme im MPEG-Format herstellen, die ebenfalls verwendet werden können.
  • Ein Computer, der grosse Datenmengen verwalten kann. Dies ist vor allem während der Produktion wichtig, da man sonst zeitweise lange warten muss. Zudem müssen digitale Erzeugnisse (Videos, Bilder) importiert werden können.
  • Internetanschluss
  • Scanner zur Erfassung von gedrucktem und gezeichnetem Bildmaterial (ist nur wichtig, wenn sonst im Internet kein entsprechendes Bildmaterial gefunden werden konnte.).
  • Entsprechende Software: Textverarbeitung, ev. Tabellenkalkulation, Präsentationssoftware, Bildbearbeitungsprogramm, Zubehörprogramm zur digitalen Kamera, ev. Scannerprogramm, ev. Übersetzungsprogramme (oft sind den Schülern nicht mehr alle Ausdrücke in ihrer Muttersprache geläufig).


[1] Von Arthur Schopenhauer, 19. Jh.


Das audiovisuelle Wörterbuch | Martin Ziegler (bl), Thomas Minder (bl), Dominik Steinböck (BL)