Informatik-Kaderausbildung Basel-Landschaft, Basel-Stadt und Solothurn 2003/2004
www.2bits.ch | www.edubs.ch

Chancen des E-Learnings: Sachtextanalyse mit Hypertext


Sie befinden sich hier:

> edubs > Sachtextanalyse_Hypertext

Menu
PRAXISERPROBUNG
Einleitung

Das Unterrichtsszenario wurde in der Klasse 3aW an der Kantonsschule Solothurn durchgeführt. Die Klasse besteht aus 10 Schülerinnen und 13 Schülern der Sekundarstufe II (11. Schuljahr). Die Klasse ist das Arbeiten mit ICT gewöhnt, sie hat u.a. bereits intensiv mit der Lernplattform Educanet2 in mehreren Fächern gearbeitet. Zur Verfügung stand jeweils ein Computerraum mit 24 Computern mit Internetanschluss. Ein Teil der Arbeit fand traditionell im Klassenzimmer statt.

In einer Vorbereitungsphase wurde die Klasse in die Arbeit mit dem WIKI des Educanet2 eingeführt. In kurzer Zeit konnten die Schülerinnen und Schüler Seiten editieren, neue Seiten anlegen und ebenfalls Bilder einbinden.

Die Klasse stieg sehr motiviert in die eigentliche Unterrichtseinheit ein. Die Motivation war bis zum Schluss der Einheit gut.

Methodisch-didaktische Aspekte

Bereits bei der Gruppenbildung zeigte sich, dass die Schülerinnen und Schüler wenig Verständnis für die Genderproblematik im Sinne von geschlechtsgemischten Gruppen hatten. Nach einer kurzen Thematisierung wurde diese Forderung fallen gelassen und den Schülern die Freiheit der Gruppenbildung überlassen. In der weiteren Arbeit zeigte sich, dass dies sehr positiv war. Die Gruppe, die ausschliesslich aus Schülerinnen bestand, hatte als erste die Gruppenarbeiten abgeschlossen und war auch bereit, die Aufgabe der Erstellung einer Concept-Map mit einem Computerprogramm selbständig in Angriff zu nehmen. Die Schülerinnen empfanden es eher als Benachteiligung, wenn man als Lehrperson davon ausgehe, dass Schülerinnen technisch weniger versiert seien.

Ablauf

Nach der Gruppenbildung wurden die verschiedenen Texte nach Zufallsprinzip den Gruppen zugeordnet. Nach der ersten Doppelstunde hatten alle Gruppen ihr WIKI mit den entsprechen Hyperlinks erstellt. Die Arbeit erfolgte im WIKI von Educanet2. Die Qualität der geleisteten Arbeit war recht unterschiedlich.

Abb. 3 Beispielseite aus einem WIKI von Educanet2

Als recht problematisch erwies sich das Layout des in Educanet2 integrierten WIKIs: die Schriftgrösse ist sehr klein und das Layout nur sehr beschränkt beeinflussbar.

Nach der ersten Phase überprüften wir zwei Lehrkräfte alle von den Schülerinnen und Schülern im WIKI gestellten Fragen, wir ergänzten diese und fügten neue ein, wo dies nötig erschien. So konnten für jede Gruppe ganz individuelle Aufgaben erstellt werden. Dies war sehr zeitintensiv, kam aber einem individualisierten Lernen entgegen. Interessant war für die betreuenden Lehrkräfte, dass die Überarbeitung der Vorlagen ortsunabhängig erfolgen konnte, so war eine entsprechende Zusammenarbeit von zwei Lehrkräften möglich, die ohne ICT undenkbar gewesen wäre. Interessant war auch, dass die Schüler doch an einigen Stellen völlig andere Fragen formulierten, als wir in der Vorbereitung der Texte vorgesehen hatten. Unser Konzept liess diese Offenheit aber zu.

In der nächsten Phase erfolgte die eigentliche Recherche. Dieser Teil war für die Lehrkräfte besonders anspruchsvoll, denn hier ergaben sich, trotz sorgfältig formulierter Fragen, besonders viele Probleme: Quellen waren zeitweise nicht erreichbar, andere waren für die Schülerinnen und Schüler nicht verständlich. In unserem Fall war nur eine Lehrkraft in der Lektion physisch präsent, die andere war über Educanet2 aber eingeloggt und konnte die Arbeit mitverfolgen beziehungsweise Fragen neu formulieren oder beantworten.

 Da die Gruppen die Arbeiten unterschiedlich schnell fertig gestellt hatten, begannen die ersten Gruppen bereits recht früh mit der Erarbeitung von Begriffskonzepten. Diese Gruppen hatten denn auch die Möglichkeit, die entsprechende Software auszuprobieren.

Da die Erprobung auch ausserhalb des eigentlichen Klassenraumes im WIKI zugänglich sein sollte, mussten die Schülerinnen und Schüler die WIKI-Seiten in ein öffentlich zugängliches WIKI stellen, wir wählten das WIKI auf http://www.edubs.ch.[1] Hier galt es zu berücksichtigen, dass sich die Situation in Bezug auf Urheberrechte dadurch stark verändert. Während in einem geschützten Bereich, der nur einer Schulklasse zugänglich ist, Bilder auch ohne konkrete Abklärung des Urheberrechtes übernommen werden können, ist dies auf einer öffentlich zugänglichen Seite natürlich nicht mehr möglich. Hier müssen vor einer Publikation urheberrechtliche Fragen geklärt sein. In unserem Fall hiess dies konkret, dass in der öffentlichen Version auf viele Bilder verzichtet werden musste, da diese urheberrechtlich geschützt waren. Zugleich aber wurden die Schülerinnen und Schüler mit dieser „Doppelpublikation“ auf Urheberrechtsfragen aufmerksam.

Nach einer kurzen allgemeinen Einführung in die Technik des Concept Maps und einer Vorstellung der Software ihmc CmapTools v. 4.03[2] erstellten die Schülerinnen und Schüler schliesslich die entsprechenden Begriffsnetze manuell. Die Anwendung mit dieser Software erfolgte freiwillig, eine erste Gruppe fand noch während des Unterrichts Zeit dafür. Eine weitere Gruppe erstellte eine Map als freiwillige Hausarbeit. Wichtig war, dass jede Gruppe eine Folie als Vorlage erstellte.

Abb. 4 Software CmapTools

Abbildung 3 zeigt ein Beispiel eines Concept maps, erstellt mit der in Fussnote 15 erwähnten Software, zum einem Text von Stephen Hawking: „Der Anfang des Universums“.

In der letzten Phase wurden die Gruppentexte nun von der ganzen Klasse gelesen, es konnten Fragen zum Inhalt gestellt werden, die entsprechende Gruppe musste versuchen, die Fragen zu beantworten. Als „Spick“ hatten sie einen Computer mit Internetanschluss vor sich, auf dem die Gruppe durch die entsprechenden WIKI-Seiten navigieren konnte. Sowohl die Fragerunden als auch die Diskussionen über die entsprechenden Texte waren sehr interessant.

Abb. 5 Cmap-Resultat einer Gruppenarbeit
(auf Bild klicken)

Schlussfolgerungen und Erkenntnisse

Das Konzept erwies sich bei der Durchführung als sehr ehrgeizig. Als einzelne Lehrkraft wäre man sehr schnell überfordert. Schon die Aufgabe, sechs verschiedene Texte zu finden, die einigermassen gleichwertig sind, die zudem aus verschiedenen Wissensbereichen stammen und für die Schülerinnen und Schüler schliesslich zu erarbeiten sind, erwies sich als sehr anspruchsvoll und zeitintensiv. Hier wäre zu überlegen, ob man die verschiedenen Gruppen nicht den gleichen Text analysieren lassen sollte. Zudem liessen sich dann die erstellten Hypertexte auch besser miteinander vergleichen. Ein Problem dabei aber könnte sein, dass die Gruppen die Resultate von einander übernehmen, statt selber zu recherchieren. Wenn man WIKIs mit Educanet2 erstellt, liesse sich dies allerdings mit der Eröffnung von Lerngruppen, die alle über ihr eigenes WIKI verfügen, vermeiden. In einer nächsten Phase könnte man die verschiedenen Lösungen dann allen zugänglich machen. Dies braucht allerdings schon gewisse vertiefte Fertigkeiten im Umgang mit Educanet2. Auch für öffentliche WIKIs liessen sich, vorausgesetzt man hat als Lehrkraft die nötigen Administrationsrechte, durchaus auch Seiteninhalte verbergen. Das Problem dort ist allerdings, dass die Gruppen sich dann ihre Seiten überschreiben könnten, wenn die Hyperlinks zufällig gleich lauten würden. Dies ist im Falle, dass alle Gruppen am gleichen Text arbeiten, sogar sehr wahrscheinlich.

Ein weiteres Problem für die Lehrkraft ist die Beurteilung der geleisteten Arbeit. Sicher wäre es nicht angemessen, nur das Resultat, etwa den erstellten Hypertext oder die Präsentation, zu beurteilen. Der Prozess des Erarbeitens muss auch berücksichtigt werden können. Dies ist aber insofern schwierig, als die Lehrkraft in jeder Phase des Unterrichts sehr stark gefordert ist und sich kaum noch auf eine Beurteilung nach klaren Kriterien konzentrieren kann. Hier käme auch eine so genannte Peer-Beurteilung in Frage, d.h. dass die Schülerinnen und Schüler ihre eigenen Resultate beurteilen. Dies verlangt wiederum aber eine entsprechende Lernplattform.[3]

Als Fazit kann abschliessend bemerkt werden, dass unsere Ziele erreicht worden sind.

Anpassungen

Anpassungen sind insbesondere im Bereich der Zeit vorgenommen worden. Wir neigten dazu, die benötigte Zeit – insbesondere für die Recherche – zu unterschätzen. Interessant ist der Aspekt, dass eine Lerngruppe mit dieser Methode durchaus von Moderatoren unterstützt werden kann, die physisch nicht am gleichen Ort sind. Insbesondere die Nachbearbeitung der Fragestellungen ist keineswegs ortsgebunden.


[1] https://ssl.edubs.ch/mediawiki/index.php/Hauptseite, direkter Link zu dem Material der Unterrichtssequenz über https://ssl.edubs.ch/mediawiki/index.php/Textinterpretation, Zugriff am 15.5.2006.

[2] http://cmap.ihmc.us . Zugriff am 15.5.06

[3] Mit der als Open Source erhältlichen Lernplattform Moodle liesse sich dies allerdings bewerkstelligen. Diese spezielle Software ist aber an den Schulen in der Schweiz kaum im Einsatz. Vgl. http://www.moodle.de.


Chancen des E-Learnings: Sachtextanalyse mit Hypertext | Leo Binggeli (BL), Kurt Jakob (SO)