| Informatik-Kaderausbildung Basel-Landschaft, Basel-Stadt und Solothurn 2003/2004 www.2bits.ch | www.edubs.ch Chancen des E-Learnings: Sachtextanalyse mit Hypertext |
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Einleitung
Es wird immer wieder beklagt, dass die zur Verfügung stehende Unterrichtszeit kaum mehr eine solide Erarbeitung von inhaltlich schwierigen Texten ermöglicht. Dadurch entfallen je länger je mehr solche Analysen und es wird auf leichter verständliche Texte umgestiegen, für die eine mühsame Erarbeitung des Verständnisses nicht mehr nötig ist. Das schriftliche Exzerpieren anspruchsvoller Texte wird unseres Erachtens kaum mehr im Unterricht eingeübt und angewandt; zum Zug kommen allenfalls noch mündliche Analysen (vorwiegend als Lehrkraft-Vorträge). Die Frage bleibt aber, ob wir dem Lernziel, insbesondere demjenigen der gymnasialen Stufe, gerecht werden können, das vorab verlangt, dass Schülerinnen und Schüler auf ein universitäres Studium vorbereitet werden.[1] Um diesem mangelhaften Umstand abzuhelfen, haben wir uns überlegt, wie wir zu einer effizienten Methode kommen, die Schülerinnen und Schüler komplexes Vorwissen zum Verständnis eines Textes selbst erarbeiten zu lassen. Dass sich ICT wegen der Effizienz der Informationssuche besonders eignet, liegt auf der Hand, denn man kann doch weitgehend die mühsamen Gänge zu Bibliotheken und das damit verbundene, extrem aufwändige Recherchieren zumindest weitgehend umgehen (vgl. hierzu aber unten)! Im Zweckartikel der „Verordnung des Bundesrates/Reglement der EDK über die Anerkennung von gymnasialen Maturitätsausweisen (MAR)“ wird schliesslich die Forderung aufgestellt, dass Maturandinnen und Maturanden fähig sein sollen, „sich den Zugang zu neuem Wissen zu erschliessen, ihre Neugier, ihre Vorstellungskraft und ihre Kommunikationsfähigkeit zu entfalten sowie allein oder in Gruppen zu arbeiten“.[2] Mit unserem Szenario können wir zur Erreichung dieses Bildungszieles zumindest etwas beitragen. Als Idee bei der Gestaltung unserer Unterrichtseinheit boten sich die Möglichkeiten der Methode des Hypertextes an. Wenn sich Lernende im traditionellen Unterricht Textverständnis erarbeiten, dann werden sie unklare Begriffe oder Wendungen anstreichen, Wörterbücher konsultieren oder die Lehrkräfte fragen. Schlimmstenfalls kommen Unklarheiten des einzelnen Schülers oder der einzelnen Schülerin gar nicht zur Sprache, da vielleicht die gleichen Wendungen anderen Schülerinnen und Schülern völlig geläufig sind und somit nicht thematisiert werden. Mit unserer Methode der Generierung von Hypertexten wurden wir dem gerecht. So wurden für alle den Schülerinnen und Schülern unklaren Begriffe und Wendungen in einem WIKI Links erstellt, die dann nach Anklicken automatisch eine neue Seite generieren. Auf dieser neuen Seite konnten die Schülerinnen und Schüler ihre konkreten Fragen formulieren. So können etwa einfache Verständnisfragen gestellt, aber auch recht komplexe Problemstellungen zu möglichen Interpretationen ausgewertet werden. Ein Beispiel[3] soll dies veranschaulichen.
Abb. 1 Gruppeneintrag in eine WIKI-Seite Im vorliegenden Beispiel sind die Begriffe, die unklar sind, als Link in Blau dargestellt. Der Link „weltweite Wirtschaftsrezession“ beispielsweise führt zu der folgenden Seite weiter:
Abb. 2 Antwort einer Gruppe auf eine Frage zum Textverständnis Wie man dem Artikel entnehmen kann, stammt er aus der Microsoft Encarta. Dieses Nachschlagewerk stand uns bei der Durchführung zur Verfügung. Mit dieser Technik der Generierung von Hypertexten kann dem Lernenden zudem exemplarisch vorgeführt werden, wie alles Wissen letztlich miteinander vernetzt ist, d.h. dass alles Wissen mit anderen Erkenntnissen in einer vielfältigen Beziehung steht. Diese Methode kommt der tatsächlichen psychologischen Erarbeitung von Wissen nahe. Während die traditionellen Textbearbeitungsformen linear vorgehen, kann mit der Form des Hypertextes die Entstehung eines Wissensnetzwerkes im Lernenden simuliert werden. Gemäss einer konstruktivistisch orientierten Lerntheorie, „lehnen die althergebrachten Kriterien für erfolgreiches Lernen (Anhäufung von Faktenwissen) ab. Hypertext bietet die ideale Umgebung für selbst gesteuertes, entdeckendes, aktives und realitätsnahes Lernen.“[4] Wir haben in diesem Modell sechs verschiedene Sachtexte ausgewählt, die alle Eines gemeinsam haben: Das zu erarbeitende Vorwissen zum Gesamtverständnis ist beträchtlich und setzt eine intensive Auseinandersetzung mit dem Inhalt voraus. Andererseits sind die Texte so gut wie frei von einem spezifischen Fachwortschatz, das heisst, sie sind meist populärwissenschaftlicher Natur. Die sechs Texte, die meist ganz leicht modifiziert werden mussten, beinhalten exemplarisch die Fachbereiche Literaturwissenschaft, Geschichte, Medizin, Wirtschaft, Astronomie und Recht. Es wären natürlich noch weitaus mehr Fachbereiche zur Analyse denkbar. Vor- und Betreuungsarbeit der Lehrkraft Der Zeitbedarf für die Suche nach geeigneten Texten darf nicht unterschätzt werden, denn einerseits sollen anspruchsvolle Texte gefunden werden, andererseits aber sollen die Schülerinnen und Schüler auch innert überschaubarer Zeit die Aufgaben lösen können. Wichtig scheint uns die sehr enge begleitete Moderation der Gruppen, um das gesteckte Ziel zu erreichen und insbesondere den ICT Mehrwert zu erzielen. Des Weiteren ist darauf zu achten, dass die Schülerinnen und Schüler jeweils die vollständigen und internationalen Normen entsprechenden Quellenangaben vornehmen, um einen allfälligen, raschen Nachvollzug der Informationen zu gewährleisten. In unserer Arbeit wurden wegen der rechtlich problematischen Urheberrechtslage auf Bildquellen im öffentlich zugänglichen WIKI verzichtet. Aus zeitlichen Gründen wurden keine Einwilligungen zur Publikation eingeholt. Je mehr Übung die Klassen[5] in solchen Sachtextanalysen haben, desto selbstständiger können die Schülerinnen und Schüler damit arbeiten. Es ist, v.a. im Tertiärbereich, sicher möglich, dass methodisch Geübte solche Textanalysen auch zeit- und ortsunabhängig online durchführen können. Die Arbeitsweise kann individuell angepasst werden: Entweder entwickeln die Schülerinnen und Schüler ihr Fragemuster in Hypertexten selbstständig anhand von ihnen unklaren Begriffen oder Zusammenhängen (wie das bei unserem Praxisbeispiel der Fall war) oder aber die Lehrkraft gibt ihnen der Zeitersparnis wegen im Hypertext Leitfragen und allenfalls konkrete Suchhinweise (u.a. externe Links). Kombinationen sind natürlich möglich. Die Texte werden in ein WIKI gestellt, z.B. in ein Klassenwiki auf www.educanet2.ch oder in ein spezielles WIKI, in unserem Fall war es www.edubs.ch. Dies kann natürlich jede mögliche Form von WIKI sein.
(vgl. hierzu den Ablaufplan Unterrichtseinheit in der Beilage) Die Schülerinnen und Schüler arbeiten die ausgedruckten Texte durch, indem sie unklare Begriffe und Sachverhalte je nach Verfügbarkeit vorwiegend mit elektronischen Hilfsmitteln, wie z.B. Wörterbücher von WORD[6], Lexika von Encarta[7], Encyclopedia Britannica[8], Wikipedia[9], www.xipolis.net[10] u.a.m. zur Recherche benützen[11]. Selbstverständlich sollen im Sinne des Integrated Learnings (es wird ebenfalls der Begriff Blended Learning verwendet) auch die verfügbaren gedruckten Werke zum Zug kommen, die teilweise eine solidere und vertieftere Analyse komplexer Sachverhalte als die elektronischen Medien bieten können. Diese Arbeit kann unseres Erachtens wie gesagt nur mittels einer stark begleiteten Moderation während der Lektionen und auch Evaluationen (samt Feedbacks) der Zwischenergebnisse durch die Lehrkraft erfolgen.[12] Wenn die inhaltlichen Detailfragen geklärt sind, geht es um das Verständnis des Gesamtinhaltes. Das sollte unseres Erachtens einerseits durch ein Résumé der Hauptaussagen erfolgen, andererseits wollen wir durch eine Visualisierung der Begriffsstruktur einen neuen Zugang zum Text schaffen. Wir wählen die Methode des Concept Maps; andere Visualisierungsmethoden sind durchaus möglich. Ist das Résumé und die Visualisierung vollzogen, sollen in einem kurzen Referat der Klasse die wesentlichen Inhalte des Sachtextes der Klasse verständlich gemacht werden. Anschliessend werden 2 3 Fragen daraus diskutiert. Unsere Lerneinheit ist auf elf Lektionen angesetzt. Die Unterrichtseinheit könnte z. B. auf drei Arten ausgewertet werden (selbstverständlich nach Vorankündigung):
[1] Darauf legt u.a auch Prof. Dr. Peter Bonati in seinem jüngsten Artikel Gymnasium wohin? Bojen für die Weiterfahrt in: Gymnasium Helveticum, 3 / 2006, S. 5 ff. sehr grossen Wert. [2] MAR95, Art. 5., verfügbar unter [3] Das Beispiel stammt aus dem WIKI auf http://www.edubs.ch, Direktzugriff über [4] Lernen mit Hypertext, verfügbar auf: [5] Es ist bei der Gruppenzusammensetzung darauf zu achten, dass beide Geschlechter wenn möglich gleich stark vertreten sind. [6] Gemeint ist die Thesaurus-Funktion von MS WORD, die einfache Verständnisfragen bereits klären kann. [7] Encarta ist ein Produkt von Microsoft, das auf einer DVD erworben werden muss, anschliessend braucht es eine Installation. In unserem Beispiel hatten alle Schüler Zugriff auf diese Datenbank. [8] Diese Datenbank ist online verfügbar, Kurzauszüge der verfügbaren Artikel sind gratis, die vollen Artikel kosten aber. Verfügbar unter [9] Im Moment die wohl umfangreichste und zugleich auch kostenlos verfügbare Online-Bibliothek, verfügbar unter [10] Xipolis.net ist eine kostenpflichtige Datenbank, über die u.a. der Brockhaus in 15 Bänden, aber auch die Speziallexika Brockhaus und verschiedene andere Lexika erreichbar sind. In unserem Fall hatten wir Zugriff auf diese Datenbanken. [11] Es wäre auch denkbar, mittels Vorbereitung von WebQuests die Suchzeit der Websites für die Schülerinnen und Schüler mehr oder weniger einzuschränken. [12] In unserem Beispiel waren Suchmaschinen wie Google etc. wegen des enormen Zeitaufwandes der Evaluation unerwünscht.
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Chancen des E-Learnings: Sachtextanalyse mit Hypertext | Leo Binggeli (BL), Kurt Jakob (SO) |
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