Informatik-Kaderausbildung Basel-Landschaft, Basel-Stadt und Solothurn 2003/2004
www.2bits.ch | www.edubs.ch

Online-Zeitung


Sie befinden sich hier:

> edubs > Online-Zeitung

GENDERASPEKTE

Beim Gender-Aspekt geht es darum, abzuklären, welche Auswirkungen das Unterrichts-Szenario für Frauen und Männer hat, wie Chancengleichheit bewirkt und wie eine allfällige Diskriminierung abgebaut werden kann. Dabei wird nicht nur auf das (soziale) Geschlecht (=„Gender“) geachtet, sondern es geht um erweiterte Aspekte der Integration in die Gruppe, die Klasse, die Gesellschaft. Dazu kann das Projekt Online-Zeitung mit ICT-Mitteln beitragen.

Genderaspekte im Projekt „Online“

Begriffe

Beim Gender-Aspekt geht es darum, abzuklären, welche Auswirkungen das Unterrichts-Sze­nario für Frauen und Männer hat, wie Chancengleichheit bewirkt und wie eine allfällige Diskriminierung abgebaut werden kann. Unter „Gender“ wird hier das soziale Geschlecht verstanden – im Unterschied zum rein biologischen „Sex“. Die Fragen von Chancengleichheit und Dis­kriminierung werden nicht nur auf das Geschlecht resp. Gender bezogen, sondern auf alle Gruppen, die möglicherweise benachteiligt sein können, wie etwa Migrantinnen und Migranten. Hier werden folglich die Strukturen und Angebote auf diese Fragestellung hin untersucht.

Schulstufe und Gender

Unser pädagogisches Szenario richtet sich an die Sekundarstufe (I und II); vor allem in der Sek.II-Stufe ist in den letzten Jahren der Anteil an Frauen gestiegen und beträgt in den Basler Gymnasien erstmals deutlich über 50%. Damit ist der Frauenanteil gegenüber dem demografischen Mittel leicht erhöht. Die DMS (zukünftige FMS) weist als traditionelle Mädchenschule immer noch über 75% Frauen auf. Bei den Lehrpersonen machen hingegen die Männer rund 80% des Lehrkörpers aus.

Integration

Die Anwendung des Computers im Schulunterricht leistet einen Beitrag zur Integration, indem alle Schülerinnen und Schüler an einer Arbeit, an einem Thema gleichermassen beteiligt sind, unabhängig davon, ob sie zuhause mit Computer und Internet ausgerüstet sind. So können soziale Defizite ausgeglichen werden. Bei unserem Projekt werden verschiedenste ICT-Mittel wie Textverarbeitung, Internetsuche, Dateiaustausch, Kommunikation, digitale Bild- und Filmerfassung sowie Publikation im World Wide Web eingesetzt.

Wenn ICT mehr auf eine spezifische Anwendung oder Aufgabenstellung ausgerichtet ist und die technischen Aspekte weniger wichtig sind (Mittel zum Zweck statt Selbstzweck), dann sind Mädchen und Frauen eher bereit und motiviert, sich mit dem Computer auseinander zu setzen. ICT wird für alle verständlich. Den Knaben und Männer hingegen sollen eher die Augen geöffnet werden für konkrete, sinnvolle Anwendungen.

Gruppenarbeit

Bei der Gruppenarbeit ist besondere Aufmerksamkeit nötig für die Frage, wer welche Rolle übernimmt. Es können sich innerhalb der Kleingruppe verschiedene Aufgaben und Rollen ergeben, die am besten offen angesprochen und geklärt werden:

  • Wer leitet die Gruppe? (Koordination)
  • Wer schreibt die Texte? (Ausführung)
  • Wer pflegt die Beziehungen zu anderen Gruppen, zur Projektleitung? (Kommunikation)
  • Wer kümmert sich um die Installation und Bedienung neuer Programme und Geräte? (Technik)
Schlussfolgerungen

Dass die Integrationsaufgabe von ICT und unterschiedlichen Zugänge zu ICT berücksichtigt werden, ist implizit in der Aufgabenstellung enthalten, braucht also gegenüber den Schülerinnen und Schülern nicht hervorgehoben zu werden. Im Gegenteil, ein zu starkes Betonen („Mädchen verstehen doch nichts von Computern“ oder „Jungen möchten immer nur spielen oder über Technik sprechen“) könnte vorgeformte Meinungen und Clichés sogar festigen statt auflösen.

Hingegen ist die Verteilung der verschiedenen Rollen innerhalb der Gruppe ganz entscheidend für die Bewusstseinsbildung der Schülerinnen und Schüler während der Arbeit am Projekt und wird explizit angesprochen. Zu diesem Zweck ist zu Beginn der Gruppenarbeit eine Phase eingebaut, bei der die Rollenverteilung innerhalb der Kleingruppe besprochen und schriftlich festgelegt wird. Zur Abklärung, wer sich am ehesten in welcher Rolle als geeignet ansieht, wird eine Selbsteinstufung nach Belbin verwendet.

Fragen zum Genderaspekt der Gruppe „Online-Zeitung“ für das Gender-Kolloquium

  1. Ist es sinnvoll, die Arbeitsgruppen geschlechtergetrennt einzuteilen?
  2. Wenn wir die Gruppen gemischt einteilen, sollen wir die Leiterfunktion bestimmen – oder die Gruppe selber eine Leiterin, einen Leiter bestimmen lassen?
  3. Gibt es Erfahrungen über das Leseverhalten von Tageszeitungen bei Frauen und Männern?
  4. Wie gross ist der Anteil an Leserinnen bei Tageszeitungen?
  5. Gibt es Vorlieben für die Ressorts?
  6. Gibt es Frauen-Tageszeitungen?
  7. Gibt es Vorlieben in der Form der Kommunikation? Chat, E-Mail, Forum, Mitteilungen?
  8. Gibt es beim Erstellen der eigenen Klassen-Online-Zeitung genderabhängige Aspekte, die es zu berücksichtigen gilt? Ressorts, Schwerpunkte, Aufmachung usw.


Online-Zeitung |

Rüdiger Koplin (BL), Markus Heinzer (BS), Raymond Treier (SO)