Informatik-Kaderausbildung Basel-Landschaft, Basel-Stadt und Solothurn 2003/2004
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Neue-Medien-Kompetenz


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REALISIERUNG
5.4  Erfassungsmöglichkeiten

Neben den Abklärungs-Tests gibt es aber auch komplexe „Outcomes“, die mittels Test nicht zu erfassen sind. Dazu sind Erfassungsmöglichkeiten über Portfolios oder komplexere Aufgabenstellungen zu entwickeln, welche die kriterienbasierte Erfüllung der zugehörigen Standards ausweisen. Im Folgenden sind entsprechende Beispiele in Form von Erfassungsmöglichkeiten skizziert. Schwerpunkt bildet dabei, neben dem Einsatz des Portfolios, die Projektarbeit.

5.4.1 Portfolio

ePortfolio im Unterricht[9]

Seit über zehn Jahren nutzen amerikanische und kanadische Lehrerinnen und Lehrer ePortfolios für ihren Unterricht. Inzwischen breitet sich das ePortfolio nach und nach auch im europäischen Bildungswesen aus – immer mehr deutschsprachige Lehrpersonen beginnen, ePortfolios in ihrem Unterricht einzusetzen.

In der Schweiz wird das ePortfolio bisher hauptsächlich in der Erwachsenenbildung benutzt – und auch hier eher in den französischsprachigen Teilen der Schweiz. Im Ausland jedoch findet man eine Reihe interessanter Beispiele, von denen wir hier einige vorstellen wollen.

Fragen technischer und pädagogischer Natur

Dieses Interesse wirft eine ganze Reihe technischer und pädagogischer Fragen auf: Welchen Typ von ePortfolio verwendet man wofür? Was muss man beachten, wenn man ein ePortfolio erstellen und es nachher im Internet publizieren will? In pädagogischer Hinsicht muss überlegt werden, ob das ePortfolio als 'Logbuch' für die Lernenden oder als Evaluationsinstrument für die Lehrperson dient.

Portfolio-Typen[10]

  • Entwicklungsportfolio Bei diesem Portfoliotyp sollen die Lernenden ein Vorwärtskommen im Hinblick auf klar identifizierte Ziele und Fähigkeiten vorweisen können.
  • Evaluationsportfolio Diese Art von Portfolio soll die Beherrschung eines Lehrstoffes nachweisen, die wiederum zur Erreichung einer höheren Ausbildungsstufe notwendig ist (nächste Klasse, nächster Kurs, nächstes Projekt etc.).
  • Ausstellungs-Portfolio In diesem Portfolio können Lernende ihre verschiedenen Arbeiten vorstellen. Dabei gibt es verschiedene Klassifikationen: Studiengegenstand, Thematik, Art der Herstellung etc.
  • Planungs- und Evaluations-Portfolio Diese Art von Portfolio dient der Lehrperson dazu, den Planungs- und Lösungsweg der Lernenden nachzuvollziehen und den Unterricht entsprechend zu gestalten. Dieses Dossier kann auch zur Einschätzung der Leistungen der Schülerinnen und Schüler verwendet werden.
  • Laufbahn-Portfolio Immer mehr Arbeitgeberinnen und Arbeitgeber verlangen eine komplette Aufstellung aller Fähigkeiten und Erfahrungen eines neuen Mitarbeitenden – Ausbildung und Berufserfahrung gleichermassen berücksichtigt.
  • Aufnahme-Portfolio Immer mehr Universitäten konsultieren diese Art von Portfolio, um festzustellen, ob eine Bewerberin oder ein Bewerber sich für eine Weiterbildung eignet.

Erstellung

In der Erstellung von ePortfolios für Bildungszwecke sind die USA und Kanada die Vorreiter der Entwicklung. Dr. Helen C. Barrett, International Society for Technology in Education & University of Alaska Anchorage, empfiehlt auf ihrer Website das "5mal5"-Modell zur Erstellung eines ePortfolios:

  • Definition von Zielen und Kontext Folgende Fragen müssen geklärt werden: Zweck des Portfolios, Zielpublikum, organisatorischer Rahmen, Computerausrüstung und Software, technische Kenntnisse der Lernenden, Auswahl des Portfolio-Levels.
  • Das Arbeitsportfolio Arbeitsbeispiele auswählen, auf Diskette oder in Ordner speichern, persönliche Note ins Portfolio bringen – mit Graphiken und Multimedia-Effekten.
  • Das Reflexionsportfolio Niederschrift einer reflektierten Bemerkung zu jedem erreichten Ziel; Auswählen von Arbeitsbeispielen zum jeweiligen Kapitel und Begründung der Auswahl sowie Bedeutung der Beispiele; Definition von zukünftigen Arbeits- und Lernzielen – in kleinen und grossen Schritten.
  • Das verbundene Portfolio Auswahl von digitalen Arbeitsproben, Hypermedia-Links zwischen Arbeitsproben, Beispielen, Proben anderer Lernender, Rubriken und Einschätzungen; Einsetzen von Multimedia-Sequenzen.
  • Das Präsentations-Portfolio Übertragen des Portfolios auf ein geeignetes Präsentations-Medium; Präsentation des Portfolios vor einem Publikum.

Werkzeuge

Eine Reihe von Werkzeugen zur Erstellung von ePortfolios wurde bereits für den schulischen Bereich entwickelt. In der folgenden Liste finden Sie die am häufigsten zitierten Tools für diesen Zweck.

  • KeeBoo[11] KeeBoo hat eine (Gratis-)Technik entwickelt, die erlaubt, Informationen im Internet in Form eines normalen Dokuments zum "Durchblättern" zu präsentieren. Damit wird die Multimedialität des Internets mit der einfachen Handhabung eines Dokuments oder einer Broschüre kombiniert.
  • HyperStudio[12] ist in den USA seit über zehn Jahren eines der Standard-Autorentools für Multimedia und Online-Publikationen für den Unterricht.

Tools-Liste[13]

Eine kommentierte Liste – auf Englisch – von Tools zur Erstellung von ePortfolios mit Kommentaren zum Einsatz dieser Tools gibt Dr. Helen Barrett in ihren ePortfolio-Seminaren.

Weitere Initiativen …

  • European Portfolio Initiatives Coordination Committee Das europäische Projekt European Portfolio Initiatives Coordination Committee EPICC zielt darauf ab, Europa eine führende Rolle in Sachen ePortfolio im Bildungswesen zuzuordnen.
  • Portfolio Medienkompetenz NRW[14] Vorreiter der Portfolio-Entwicklung in Deutschland ist Nordrhein-Westfalen, wo es inzwischen auch Ansätze über die gedruckte Form des Portfolios hinaus gibt.

In der Abschlussklasse der Sekundarschule Minerva ist die Portfolio-Arbeit ein integrierter Bestandteil des Informatik-Unterrichts (3 Stunden Informatik-Unterricht).

Beispiel einer Unterrichts-Einheit [15] (während dieser Projekt-Arbeit entstanden):

ePortfolio zu den Excel-Fertigkeiten eines Lernenden.

Obwohl das Portfolio momentan in aller Munde ist und sich einer grossen Popularität erfreut, hat es nicht nur Freunde. Zu Recht: Es gilt nämlich, Aufwand und Ertrag sorgfältig abzuwägen. Die meisten Erfahrungsberichte halten fest, dass das Führen eines Portfolios durch die Lernenden, wenn überhaupt, sehr unsorgfältig ausgeführt wird, teils aus Desinteresse, teils aus mangelnder Einsicht. Die Portfolio-Führung ist deshalb mit einem grossen Controlling-Aufwand seitens der Lehrperson verbunden.


[9] Auszüge aus: educa.ch, Thematische Dossiers, ePortfolio im Unterricht, 2004  http://www2.educa.ch/dyn/1471.htm (Zugriff: 06.03.2004)

[10] Quelle: Une typologie du portfolio, Portfolio-Projekt des Collège de Rimouski (Frankreich)

[12] http://www.hyperstudio.com/ (Zugriff: 06.03.2004)

[15] Diese Verlinkung ist nur auf der CD-Version verfügbar

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Neue-Medien-Kompetenz | Christian Graf (BS) und Urs Thiede (BS)