Informatik-Kaderausbildung Basel-Landschaft, Basel-Stadt und Solothurn 2005/2006
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Klimawandel durch Natur und Mensch


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PRAXISERPROBUNG

Lektionen 1 und 2 (Geobuch 2: S. 124, 125 – „Das Klima schwankt“)

Die Arbeiten mit dem Gletscherarchiv und dem Messnetz konnten wie geplant durchgeführt werden. Mit der Hausaufgabe (Geobuch 2: «Beschreibe die Veränderungen der Vegetation in der letzten Warmzeit») waren die Schülerinnen und Schüler überfordert.

Anpassung: Formulierungshilfe für die Hausaufgabe:

«Bearbeite die Seite 125 im Buch. Beschreibe die Veränderungen in der Vegetation auf der Abbildung 3 (Vegetation_Hilfen.doc».

Lektionen 3 und 4 (Geobuch 2: S. 126, 127 – „Naturgefahren nehmen zu“)

Die Schülerinnen und Schüler der Versuchsklasse benötigten deutlich mehr Zeit als veranschlagt, um sich über die Naturgefahren zu informieren und die Arbeitsblätter zu lösen. In einer 9. Klasse dürfte sich dieses Problem vermutlich weniger stellen.

Lektionen 5 und 6 (Geobuch 2: S. 128 – „Heute macht der Mensch das Klima“)

Die Doppellektion konnte wie geplant durchgeführt werden. Über Erfolg und Misserfolg entscheidet zu einem wesentlichen Teil die Technik. Wichtig ist nicht nur der technische Support während der Stunde, sondern auch eine Erprobung vor Ort in der Vorbereitungsphase (Installation der nötigen Players und Plugins, Downloadzeiten, Plattformabhängigkeiten). Nicht zuletzt braucht es für jeden Schüler und jede Schülerin einen Kopfhörer für den Einsatz von Audiodateien.

Lektionen 7 und 8 (Geobuch 2: S. 129 – „Heute macht der Mensch das Klima“)

Die Hot-Potatoes-Übung hat den Schülerinnen und Schülern Spass gemacht. Der Lückentext hat sich als das sinnvollste Instrument erwiesen. Bei den Multiple-Choice-Aufgaben und den Zuordungsübungen hat sich gezeigt, dass die Schülerinnen und Schüler die Texte zu wenig genau lesen. Nach einem ersten Scheitern führt ihre Lösungsstrategie häufig in Richtung von «Trial and Error»: Sie schieben z.B. die Blöcke in der Zuordnungsübung einfach umher, bis es klappt, ohne aber die Textteile genau zu studieren.

Die Diskussion der beiden Grafiken aus dem Buch verlief ohne Einsatz des Computers. Es stellt sich hier nur die Frage nach der Ergebnissicherung, weil keinerlei Unterlagen verteilt wurden und die Schülerinnen und Schüler keine Notizen gemacht haben.

Bei der Erstellung des Excel-Diagramms hat sich einmal mehr gezeigt, dass für strukturierte Aufgaben, die am Computer erledigt werden müssen, viel Zeit eingeräumt werden muss. Alle Schülerinnen und Schüler haben es aber geschafft, in 25 Minuten die gewünschte Grafik zu erstellen. Leider blieb am Schluss zu wenig Zeit für die Diskussion.

Lektionen 9 und 10 (Zusammenfassung des bisher Gelernten, Wissenstest)

Das Klimaquiz auf der Internetseite von Volker Quaschning (http://www.volker-quaschning.de/quiz) stiess bei den Schülerinnen und Schülern auf grosses Interesse. Alle versuchten bis zur 16. Frage zu kommen, auch wenn sie dafür mehrere Anläufe brauchten. Einige haben mit der Seite sogar geübt und die Aufgaben als Training immer wieder gelöst.

Die Herstellung des Plakates war anspruchsvoller, in den Gruppen fanden intensive Diskussionen über die Zusammenhänge statt. Wichtig ist es, dass die Klasse in Lektion 11 eine qualifizierte Rückmeldung zu den Arbeiten bekommt. In der Klasse können die zentralen Zusammenhänge noch einmal repetiert und gefestigt werden.

Erfreulich war die Zusammenarbeit im Forum. Es entstand ein reger Austausch über mögliche Prüfungsfragen. Auch diese Beiträge müssen von der Lehrperson kritisch gewürdigt werden. (In der Erprobungsklasse fand dieser Austausch im Klassenverband statt, da nicht alle zuhause einen Internetanschluss zur Verfügung haben. Selbstverständlich ist auch die direkte Reaktion im Forum denkbar.)

Feedback der Schülerinnen und Schüler

Mit neun Umfragen wollten wir von den 13 Schülerinnen und 9 Schülern wissen, wie sie den ICT-Einsatz beurteilen. Die Fragen orientierten sich dabei an den Überlegungen, die wir im Kapitel 5 (didaktischer Mehrwert) darlegen. Die Umfragen wurden über die Kommunikationsplattform (educanet2) durchgeführt.

«Durch den Einsatz des Computers fand ich die Lektionen über den Rückgang der Gletscher interessanter.»

  • 71%  meinten, das «trifft genau zu»
  • 29% fanden, das «trifft einigermassen zu»

Niemand vertrat die Meinung, dass das nicht zutreffe.

Genderaspekt: Bei der vorsichtigeren Zustimmung (trifft einigermassen zu) finden sich 5 Mädchen und 2 Knaben.

«Mir ist das Ausfüllen des elektronischen Arbeitsblattes leicht gefallen. Ich habe den Wechsel zwischen der Textverarbeitung und dem Browser im Griff.»

  • 83.5% meinten, das «trifft genau zu»
  • 16.5% fanden, das «trifft einigermassen zu»

Niemand vertrat die Meinung, dass das nicht zutreffe.

Genderaspekt: Je 2 Knaben und Mädchen gaben an, Multitasking «einigermassen» im Griff zu haben.

Im Weiteren wollten wir wissen, wie die Schülerinnen und Schüler den Einsatz der multimedialen Lernobjekte einschätzen (hier liefern wir als Beispiel die direkten Ergebnisse aus den Umfragen):

Genderaspekt: Zwei Knaben vertraten die Meinung, dass ihnen das Betrachten der Videos nichts gebracht habe.

Beim Einsatz der Animation fällt auf, dass über 46% (je 5 Mädchen und 5 Knaben) eine vorsichtige Einschätzung vornehmen.

Als nächstes verlangten wir eine Rückmeldung zum Einsatz der Hot-Potatoes-Übungen.

«Arbeitsblätter, die ich elektronisch am Bildschirm lösen kann, finde ich interessanter und abwechslungsreicher als Arbeitsblätter auf Papier.

  • 29% bevorzugen elektronische Arbeitsblätter
  • 21% arbeiten lieber auf Papier
  • 50% arbeiten mit beiden Medien gleich gern
  • 62.5%  wünschen sich in Zukunft mehr elektronische Arbeitsblätter

Genderaspekt: Bei beiden Umfragen lassen sich keine signifikanten Unterschiede ausmachen.

Beim der Planung der Lektion 8 gingen wir von der Überlegung aus, dass ein selber erstelltes Diagramm aussagekräftiger sei und die Interpretation erleichtere.

  • 33.33% meinten, das «trifft genau zu»
  • 58.33% fanden, das «trifft einigermassen zu»
  • 8.33% vertraten die Meinung, dass das nicht zutreffe.

Genderaspekt: Die Mädchen beurteilen den Nutzen der Tabellenkalkulation deutlich kritischer. 8 Mädchen aber nur 5 Knaben finden, sie hätten «einigermassen» profitiert, und 2 Mädchen vertreten die Meinung, die Arbeit hätte ihnen die Interpretation nicht erleichtert.

Genderaspekt: Lediglich 1 Mädchen kann sich vorstellen, selber ein Diagramm herzustellen. Auffällig ist, dass sich 10 Mädchen für die Antwort «ich weiss es nicht» entschieden haben. Bei der Ablehnung war das Ergebnis ausgeglichen (2 Mädchen, 3 Knaben).

Schliesslich fragten wir nach ihrer persönlichen Einschätzung zum Lernerfolg. Die Umfrage fand nach der 8. Lektion statt.

Die Erwartungen der Mädchen und Knaben decken sich, es sind keine Auffälligkeiten zu erkennen.

Schlussfolgerungen und Erkenntnisse

Das Szenario liess sich über weite Strecken wie geplant durchführen. Damit die angestrebten Ziele erreicht werden können, muss die Lehrperson den Faktoren «Zeitbedarf» und «Technik» Rechnung tragen.

Zeitbedarf

Beim Einsatz von ICT wirken sich die unterschiedlichen Arbeitstempi und die Konzentrationsfähigkeit der Schülerinnen und Schüler eher stärker aus. ICT bietet aber auch einfache Lösungswege. Mit vernünftigem Aufwand können Lehrpersonen Zusatz- und Vertiefungsaufgaben bereitstellen.

Technik

Wir haben vorgängig alle Lektionen im Informatikraum in der Schülerrolle getestet und in jeder Doppellektion mindestens einen Stolperstein gefunden und eliminiert.

Ein Austesten aller ICT-Objekte auf den Geräten, mit denen Schülerinnen und Schüler arbeiten, ist unabdingbare Voraussetzung für den Erfolg. Anleitungen, die von der tatsächlichen Ansicht auf dem Bildschirm abweichen, Animationen und Videos, die nicht abgespielt werden können, Internetseiten, die durch die Voreinstellungen am Öffnen gehindert werden etc. lassen den Einsatz von ICT rasch scheitern.

Feedback

Das Feedback der Klasse war wohlwollend bis positiv. In den Umfragen teilten die Schülerinnen und Schüler mehrheitlich unsere Erwartungen hinsichtlich des Mehrwertes. Dabei hat sicher auch eine Rolle gespielt, dass die Klasse seit Beginn der Sekundarschule regelmässig mit ICT arbeitet und auch schon Erfahrungen mit dem Einsatz einer Kommunikationsplattform mitbringt.

Lernkontrolle

Die Lernkontrolle hat zu folgenden Ergebnissen geführt:

  1. Der Schnitt der Klasse liegt höher als üblich. Von 22 möglichen Punkten wurden im Schnitt 16.5 Punkte erreicht, was einer 4.7 entspricht.
  2. Der Schnitt der Knaben liegt um einen Zehntel höher als der Schnitt der Mädchen.
  3. Gegenüber früheren Prüfungen haben sich die Mädchen stärker steigern können, der Abstand zu den Knaben (im Schnitt 2 bis 4 Zehntel) wurde auf einen Zehntel verringert.
  4. Die Bandbreite der Knaben liegt zwischen 4.5 und 5.5, diejenigen der Mädchen zwischen 3.5 und 6.
  5. Tatsache ist, dass bei den Mädchen in vier Fällen auffällig gute Ergebnisse erzielt wurden (eine Note und mehr über dem "üblichen" Schnitt im Fach GG), während die Knaben wie immer abgeschnitten haben.
  6. Die reinen Wissensaufgaben wurden erfolgreicher gelöst als die Aufgaben, bei denen die Schülerinnen und Schüler Texte formulieren mussten.

Es scheint so, als ob vor allem eine Mädchengruppe vom Einsatz des Computers profitiert hat. Dazu passt die Beobachtung, dass vor allem Mädchen das Instrument der Prüfungsvorbereitung im Forum aktiv genutzt haben. Von ihnen wissen wir, dass sie mit den Quizfragen und Prüfungsaufgaben regelrecht geübt haben. Durch den Einsatz von ICT sind die fragend-entwickelnden Unterrichtsschritte etwas zu kurz gekommen. Die Lernfortschritte aus der Diskussion der Zusammenhänge in Gruppen oder im Klassenverband fehlen einigen Schülerinnen und Schülern. Sie scheinen noch nicht in der Lage zu sein, diese Zusammenhänge selber einleuchtend formulieren zu können.

Anpassungen

Gegenüber der Planung wurden im Laufe der Unterrichtserprobung folgende Anpassungen angenommen:

·         Ab der zweiten Doppelstunde haben wir die Zeiten für die Arbeitsaufträge grosszügiger festgelegt.

·         Wir haben zusätzliche Unterlagen (Folien, Lösungsblätter etc.) erstellt, um sicherzustellen, dass die Ergebnisse der Arbeit am Bildschirm auch in gedruckter Form im GG-Heft vorhanden sind. Für die Vorbereitung der Lernkontrolle wird das Heft die wichtigste Unterlage sein.


Klimawandel durch Natur und Mensch | Thomas Rätz (BL), Thomas Wenger (BL)