| Informatik-Kaderausbildung Basel-Landschaft, Basel-Stadt und Solothurn 2004/2005 www.2bits.ch | www.edubs.ch Auch mit Würsten lässt sich Geld verdienen |
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Eine Einführung ins betriebswirtschaftliche Denken lässt sich am einfachsten in einer echten Situation sozusagen am eigenen Leib - erleben, am zweitbesten mit einer realitätsnahen, aber überschaubaren Simulation. Das von uns verwendete Programm „Kiosk“ erfüllt dieses Kriterium perfekt, und enthält alle drei Kernelemente, der eine Unternehmung in einer freien Marktwirtschaft ausgesetzt ist. Es muss regelmässig eingekauft, produziert und verkauft werden. Ständig müssen Entscheidungen gefällt werden, und alle Entscheidungen werden unmittelbar vom Markt sanktioniert. Richtige Entscheidungen erzeugen Gewinn, Fehlentscheide führen zu Verlusten, die aber sofort korrigiert werden können. Das motiviert, und zwar auch schwächere Lernende, denn jede und jeder hat ja immerhin 30 Chancen pro Spiel. Dabei ist es gar nicht so einfach (aber durchaus möglich), mit dem Wurststand anständig Geld zu verdienen. Die Tatsache, dass andere Teams im gleichen Raum mit denselben Problemen kämpfen, motiviert noch zusätzlich und erzeugt eine Art „Wettbewerb im Klassenzimmer“. Damit auch schwache und/oder pubertierende Lernende sich seriös mit den Auswirkungen ihrer eigenen Entscheidungen befassen, müssen auf einer Excel-Tabelle die Ergebnisse mitgeschrieben werden und zusätzlich auf einem Beiblatt die eigenen Entscheidungen protokolliert und reflektiert werden. Dies ist bereits eine einfache Art von Controlling, ohne dass wir den Begriff bereits verwenden. Im ersten Teil sind die Lernenden als Unternehmerin / Unternehmer tätig und müssen täglich eine Reihe von überblickbaren Entscheidungen fällen, die sich alle direkt auf das Ergebnis des nächsten Arbeitstags auswirken. Die Blickrichtung ist von innen (Ich = Firma) nach aussen (Kunden, Verkauf, Umfeld) gerichtet. Was noch fehlt, ist eine Aussensicht. Die 8.-Klässlerinnen und 8.-Klässler holen sich diese in einem realen Betrieb, die Berufsmaturandinnen und maturanden wechseln die Perspektive und beurteilen Firmen aus der Sicht einer Bank. Im zweiten Teil der Lernsequenz trennen sich die Wege. Die Die 8.-Klässlerinnen und 8.-Klässler besuchen nun reale Kleinunternehmungen (Coiffeursalon, Bäckerei, Sportgeschäft, Bank), stellen dort ihr Firmenprojekt (eigentlich eine Vorstufe eines Businessplans) vor und lassen es dort beurteilen. Die Ausgangslage in der Berufsmaturitätsschule ist eine ganz andere. Diese Schüler sind bereits im zweiten Lehrjahr, verfügen also bereits über reichlich Berufserfahrung in einer real existierenden Firma. Allerdings verfügen die Schülerinnen und Schüler der technischen und der gestalterischen Berufsmaturität [1] über keine Buchhaltungskenntnisse. Trotzdem schreibt der neue Eidgenössische Rahmenlehrplan für die technische und die gestalterische BM „eine Einführung ins Controlling [2]“ vor. Und der Schullehrplan der BMS Basel sieht dafür inklusive Test 6-8 Lektionen vor. Wenn man für die Kiosk-Sequenz 3 Lektionen einsetzt, bleiben 4-5 Lektionen für die Einführung ins Controlling übrig. Das ist eine regelrechte Knacknuss, denn für Finanzcontrolling sind buchhalterische Kenntnisse nötig, denn gewisse Kennzahlen sind für die Bewertung von Firmen zwingend. Die Berufsmaturandinnen und -maturanden wechseln für den zweiten Teil die Perspektive und beurteilen 2 Businesspläne aus der Sicht einer Bank. Dazu müssen sie zuerst die entsprechenden Kennzahlen und Formeln kennen lernen. Anschliessend starten sie mit einer ersten Beurteilung eines Businessplans. Dies ist ein Wurststand eine Thematik, die sie ja bereits kennen. Diesen ersten Businessplan bewerten sie auf Papier. Hier sind sie stark gefordert, und Aufschreiben erleichtert das Nachdenken. Der zweite Businessplan genügt nicht für eine Krediterteilung, deshalb bearbeiten die Lernenden den Plan mittels einer Excel-Tabelle. Denn damit können sie zeitsparend verschiedene Veränderungen direkt eintippen. Das spart viel Zeit. Wieso einen Businessplan bewerten? Der Businessplan gilt heute als Vorbedingung für Bankdarlehen und -kredite, aber zum Teil auch für Lieferanten als Instrument für die Einschätzung der Bonität, ist also in der Wirtschaft geläufig. Genderaspekt: Würste braten ist eine Arbeit, bei der von den Vorbildern her (Herbstmesse etc.) beide Geschlechter vertreten sind. Und ein Online-T-Shirt-Shop ist ebenfalls eine Tätigkeit, bei der sich beide Geschlechter angesprochen fühlen, was die Erprobung bestätigt hat. Unsere ursprüngliche Idee, mit 1:1-Material, also mit echten Businessplänen, zu arbeiten, mussten wir aus zwei Gründen fallen lassen: Erstens sind die uns vorliegenden Pläne so detailliert, dass findige Anwender mit wenig Nachforschungen herausfinden könnten, um welche real existierenden Firmen es sich handelt. Das wäre nicht nur aus Datenschutzgründen unmöglich, es würde auch fiele es in falsche Hände zu unlauterem Wettbewerb führen. Zweitens und dies ist aus didaktischer Sicht ein viel grösserer Nachteil sind die uns vorliegenden Businesspläne zu umfangreich (15-40 Seiten) und auch inhaltlich zu komplex (z.T. mit kompletten SWOT-Analysen [3] und umfangreichen Vergleichen mit direkten Konkurrenten) für Lernende mit praktisch null Vorwissen. Trotzdem kommen wir nicht darum herum, in Form eines Crash-Kurses eine minimale Einführung in die Bilanz zu geben. Sonst könnten die Lernenden nicht verstehen, was der Sinn der verwendeten Formeln ist. Natürlich ist das von uns entwickelte und von einem Banker gutgeheissene („nicht übel, könnte man verwenden“) Bewertungsschema sehr einfach und umfasst nur die allerwichtigsten Kriterien. Die verwendeten Businesspläne sind übrigens beide echt, wurden aber stark vereinfacht und abgeändert [4]. [1] Diese beiden BM-Typen werden an der BM der AGS Basel geführt. [2] Der Begriff Controlling ist ziemlich unscharf und wird in der Literatur nicht einheitlich gehandhabt. [3] Stärken-Schwächenanalyse zur Ermittlung der Geschäftsfeldstärke, oft ein Vergleich mit dem stärksten Mitbewerber. .SWOT steht für Strenghts (Stärken), Weakness (Schwächen), Opportunities (Chancen) und Threats (Risiken). [4] Aus Datenschutzgründen |
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Auch mit Würsten lässt sich Geld verdienen | Erich Anklin (BL) und Urs Hügin (BS) |
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