Informatik-Kaderausbildung Basel-Landschaft, Basel-Stadt und Solothurn 2005/2006
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PRAXISERPROBUNG I

Bericht der Erprobung

1. Primarstufe:

Die Erprobung fand mit den Viertklass-Schülerinnen und -Schülern einer Mehrjahrgangsklasse statt. Fünf Schülerinnen und einem Schüler standen 4 Computer zur Verfügung. Ihre Computerkenntnisse (z.B. das Benützen der Tastatur) haben sie sich grösstenteils in der Schule während ca. 8 Monaten in kurzen Einheiten von jeweils einer Lektion angeeignet. Auch hatten sie bereits ein wenig Erfahrung in selbständiger Verwendung gängiger Kinder-Suchmaschinen.

Das Thema "WM" stiess bei den Mädchen und dem Knaben auf grosses Interesse. Sie gingen entsprechend motiviert an die Arbeit. Ich habe beobachtet, dass der einzige Knabe eindeutig weniger Berührungsängste mit der Erforschung von Websites zeigte. Mädchen machten lieber Postenarbeit, fragten einander, wenn sie nicht weiter wussten, und hatten keine Mühe, sich mit den Aufgabestellungen über die Startseiten zu begnügen und sich im wilden Herumklicken zu mässigen.

Es war erstaunlich zu beobachten, dass die Aufgabestellungen des ersten Postens sehr schnell zu einer kritischen oder bewertenden Haltung der Schülerinnen und Schüler gegenüber der zu bearbeitenden Website führten. Eine anfängliche Begeisterung für eine wild blinkende Site wich schnell dem Wunsch nach Übersichtlichkeit und Information. In den Schülerinnen- und Schülerbeurteilungen wurden die vorgeschlagenen Websites erstaunlich differenziert als "ansprechend" oder "nicht ansprechend", als "übersichtlich" oder "unübersichtlich" taxiert. Eine anschliessende Diskussion im Plenum könnte eine Sensibilisierung für das Thema ergänzen.

Motivierend wirkte, dass gefundene Spiele oder ansprechende Sites auch schon beim ersten Posten ausprobiert werden durften.

Für die einzelnen Posten ist es allenfalls sinnvoll, einführende Tipps zum Vorgehen abzugeben.

Posten 2 hat bewusst eine offene Aufgabestellung. Für einige Schülerinnen und Schüler war es hilfreich, nach einem Raster vorgehen zu können, wobei sie entsprechende Unterstützung brauchten. Ein Beispiel wird auf dem Arbeitsblatt vorgeschlagen.

Für Posten 3 wäre es sinnvoll, dass den Schülerinnen und Schülern gezeigt wird, wie man auf einfache Art und Weise ein Bildschirmfoto macht, ausdruckt oder in ein Dokument integriert. Es  könnte so ein Klassen-Poster mit allen Kurzportraits möglicher Frauenfussball-Idole erstellt werden.

Bei Posten 5 sind die Urheberrechte für kopierte Bilder (auch Bildteile) und Texte (auch Textteile) zu berücksichtigen. Im schulischen Kreis (in einer Klasse) sind Verwendungen zulässig. In der vorgeschlagenen Unterrichtseinheit wurde darauf verzichtet, eine internetbasierte Plattform zu verwenden. Das Klassenzimmer war nach der Erprobung dieser Unterrichtseinheit reich mit Beiträgen an den Wänden und an der Wandtafel geschmückt.

2. Sekundarstufe I:

Voraussetzungen:

Die Erprobung fand mit einer 8. Klasse (gemischte Sekundar- und Oberschule) mit 13 Schülerinnen und 5 Schülern statt. Es stand ein Informatikraum mit 12 Arbeitsstationen zur Verfügung. Es wurde arbeitsteilig in Halbklassen gearbeitet, wobei jeder Halbklasse für die Erprobung 12 Lektionen zur Verfügung standen. Der Werkstattpass sowie alle Posten- und Arbeitsblätter wurden den Lernenden auf einer Lernplattform (hier educanet2) zur Verfügung gestellt und von ihnen selbst bei Bedarf ausgedruckt.  Die Lösungsblätter lagen als Kopie vor. Die Schülerinnen und Schüler waren mit dem Umgang mit einer Lernplattform vertraut.

Ablauf:

Die Lernenden hatten die Möglichkeit, die ersten 6 Posten (Gruppenspiele) in freier Abfolge zu lösen. Bald schon stellte sich heraus, dass oft der Weg gewählt wurde, die Posten in Partnerarbeit zu lösen. Die Lernenden waren mit grossem Interesse und Neugierde bei der Sache, was auch in einem extra geführten Meta-Forum zum Ausdruck kam. Hier ein paar Auszüge daraus:

Ich finde diese Werkstatt interessant und lehrreich! Mal über ein Thema das gerade aktuell ist! (Nadine, Oberschülerin)

Ich finde bis jetzt die ganze Werkstatt sehr spannend. Ich habe am Anfang dieser Werkstatt überhaupt nichts mitbekommen von der WM und dem ganzen Zeugs, aber ich finde immer mehr Interesse daran... Am besten gefällt mir, dass wir viele Posten in Partnerarbeit lösen können! (Samira, Sekundarschülerin)

Ich denke, es gibt für mich keine kritischen Aussagen. Mir gefällt die Werkstatt eigentlich gut, weil es natürlich um Fussball geht. Die WM ist natürlich immer etwas Spannendes, weil sie nur alle 4 Jahre ist. Ich denke, die Posten sind nicht allzu schwer gemacht, so dass man sie auch gut lösen kann. Ich habe auch schon einiges dazu gelernt. Mir macht es eigentlich Spass, und ich hoffe, dass die Werkstatt so weiter verläuft. (Ryan, Sekundarschüler)

Ich finde es gut, dass wir auch andere Sachen anschauen, die man beim Fussball nicht mitbekommt. Posten 3 hat mir persönlich sehr viel gebracht, die Wörter die man nicht kannte, kennt man jetzt! Ich fand den Posten gut! (Nicole, Sekundarschülerin)

Die Motivation einzelner Lernenden zeigte sich auch darin, dass vereinzelt zu Hause auf der Lernplattform weitergearbeitet wurde.

Nach den Posten der Gruppenspiele (Pflichtprogramm) waren die vier Posten der Finalrunde (Wahlprogramm) zu absolvieren. Obwohl diese Posten fakultativ zu lösen waren, wurden auch diese mit Motivation und Interesse angegangen. Zum Teil äusserten sich Lernende mit der Zeit eher negativ dazu, dass praktisch alle Posten der Werkstatt einen Computeranteil hatten. Hierzu zwei Meinungen:

… Ich finde nur, dass man immer den PC braucht ist ein wenig blöd, man sollte auch mal in Büchern oder so nachschauen. Aber es ist gut gemacht mit dem Computer. Es ist halt nur so, dass es ein wenig aufwändig ist, wenn man immer wieder andere Seiten suchen muss und so…. (Michael, Sekundarschüler)

Also ich habe heute nicht so viel machen können, weil der Computer gesponnen hat. Daher finde ich es ein wenig mühsam, dass man so sehr auf den Computer angewiesen ist. Sonst finde ich es abwechslungsreich, dass es ein paar Filme dabei hat. (Milena, Sekundarschülerin)

Ein besonderes Augenmerk richteten wir bei der Erprobung auf die Genderproblematik des Themas Fussball. Erstaunlich war, dass sich während der ganzen Erprobungsphase keines der 13 Mädchen negativ zur Werkstatt äusserte. Der Posten, der sich gezielt auf Frauenfussball ausrichtete, kam offensichtlich bei den Mädchen sehr gut an:

Posten 9 zeigt, dass wir Frauen auch gut Fussball spielen können. Das finde ich sehr gut. (Marilena, Sekundarschülerin)

Ich finde den Frauenfussball cool!!! Denn die Frauen können auch gut Fussball spielen. Man hat ja in diesen zwei Filmen gesehen, wie gut die Frauen mit dem Ball umgehen können. (Stephanie, Sekundarschülerin).


Informationen aufnehmen und verarbeiten | Gabriel Baiguini (BL), Christoph Büschi (SO), Michèle Collins (SO)