Informatik-Kaderausbildung Basel-Landschaft, Basel-Stadt und Solothurn 2004/2005
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ICT in der Berufswelt


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PRAXISERPROBUNG
Bericht der Erprobung

Das vorliegende Szenario wurde mit einer 8. Klasse der Sekundarschule Pratteln auf dem Niveau A erprobt. Im Fach Berufswahlvorbereitung geht es im 8. Schuljahr für die Schülerinnen und Schüler darum, verschiedene Berufsfelder und Berufsbilder kennen zu lernen. Die Klasse hat sich zuvor während eines Semesters Erkenntnisse in diesem Bereich erarbeitet. Die Schülerinnen und Schüler hatten bereits einen Schnuppertag in einem Betrieb ihrer Wahl absolviert.

Der Klasse stand jeweils an den Dienstagen für zwei Lektionen ein Informatikraum mit 20 Computern zur Verfügung. Zusätzliche vier Computer waren im Klassenzimmer vorhanden.

I Recherche von Berufen, in denen ICT angewendet werden (5 Lektionen)

In 3er-Gruppen wurden auf A3-Plakaten (Beispiele im Anhang) in einem Brainstorming verschiedene Berufe, Berufsfelder und Tätigkeiten zusammengetragen. Die Plakate wurden aufgehängt und die Resultate miteinander verglichen. Den Schülerinnen und Schülern wurde die Grösse und Wichtigkeit dieses Einsatzbereiches bewusst gemacht.

Die Berufe und Tätigkeiten wurden in acht Gruppen zusammengefasst. (Die Gruppen wurden von der Klasse selbst erarbeitet!)

Tätigkeitsbereich

Tätigkeit

Grafik

Grafische Darstellungen, Bildbearbeitung, Webdesign, ...

Musik

Aufzeichnen, mixen, komponieren von Musik

Datenverwaltung

Verwalten, eingeben, abrufen, sortieren, nutzen von Daten

Textverarbeitung

Text- und Layoutgestaltung

Kommunikation

E-Mail, Fax, Internet, Chat, Foren (Telefon über den Bildschirm)

Steuerung von Maschinen

CNC Maschinen, Roboter, ...

Buchhaltung

Berechnen und verwalten von Zahlen. Nutzen von Buchhaltungsprogrammen.

Programmieren

Herstellen, verändern oder reparieren von Computerprogrammen, erstellen von Scripts, ...

Die Schülerinnen und Schüler mussten dann zu jedem Tätigkeitsbereich in den gleichen 3er-Gruppen drei passende Berufe finden (Arbeitsauftrag). Die Suche im Internet gestaltete sich recht schwierig, da die Schülerinnen und Schüler nicht direkt nach Berufen, sondern nach Tätigkeiten und Berufsfeldern im Zusammenhang mit ICT suchen mussten. Einige brauchten dabei intensive Unterstützung. Die Schülerinnen und Schüler haben aber dabei gelernt, Berufe nicht nur auf ihre Bezeichnung zu reduzieren. Es empfiehlt sich die Suche auf der Internetseite http://www.berufskunde.ch vorher einzuführen (siehe Anpassungen).

Die Berücksichtigung des örtlichen Firmenverzeichnisses konnte nur bedingt erfüllt werden. Die Verknüpfung zweier Aufträge gestaltete sich für die meisten Schülerinnen und Schüler des Niveau A als schwierig. Wenige Gruppen konnten einzelne Firmenadressen an die Tabelle anfügen.

Die Arbeit für die Lehrkraft, zehn Berufe aus diesen auszuwählen, dazu Adressen im Ort zu finden und abzuklären, ob die Firmen sich für ein Interview bereit erklären, war sehr zeitintensiv. Dabei war es wichtig, dass alle Tätigkeitsbereiche vertreten sind. Alle angefragten Firmen hatten sich sofort für ein Interview bereit erklärt. Wir hielten es für wichtig, dass die Lehrperson die Möglichkeit eines Interviews in den Betrieben zuerst abklärt. Das telefonische Vereinbaren eines Termins muss aber Sache der Schülerinnen und Schüler sein.

II Einen dieser Beruf recherchieren und der Klasse vorstellen (4 Lektionen)

Die Schülerinnen und Schüler konnten selbstständig 2er-Gruppen bilden und einen der zehn Berufe auswählen. Die Verteilung wurde im Klassenverband auf einer Konsensebene vorgenommen. Erstaunlich war, dass gerade die KV-Berufe bei den Schülerinnen und Schülern keinen grossen Anklang fanden.

Die anschliessende Recherche und Darstellung eines Berufes auf einer A4-Seite war eine Repetitionsarbeit. Die Schülerinnen und Schüler fanden sich sofort auf den Seiten http://www.berufskunde.ch und http://www.berufsberatung.ch zurecht. Die Schwierigkeiten dieser Arbeit lagen in der Zusammenfassung von Text aus dem Internet. ...ein allgemeines Problem von Schülerinnen und Schülern der Sekundarstufe Niveau A. In kurzer Zeit kamen aber alle Gruppen zu einem befriedigenden Ergebnis. Die Ergebnisse wurden ausgedruckt und auf eine Folie kopiert. Die Schülerinnen und Schüler haben für die Präsentation den Hellraumprojektor benutzten können. 

III Erarbeiten, üben und durchführen eines Interviews zum Thema ICT-Einsatz in der Berufswelt (Dauer: drei Schulwochen)

(Erarbeiten der Fragen: 2 Lektionen. Üben des Interviews: 1-2 Lektionen.  Durchführen der Übungsinterviews: während 5 Lektionen. Auswertung der Übungsinterviews: 2 Lektionen. Durchführung der Interviews: Die Gruppen konnten ihren Termin während vier Halbtagen innerhalb der Unterrichtszeit legen.)

Der Erarbeitung der Interviewfragen ist eine Vorbesprechung vorausgegangen. Den Schülerinnen und Schülern wurde das Ziel des Interviews bekannt gegeben. Somit wurden die Themen für die Fragen schon zu einem Teil vorgegeben. Die Lernenden haben danach in den bereits gewählten 2er-Gruppen Fragen erarbeitet. Die Fragen wurden in der Klasse zusammengefasst. Das Ergebnis war toll. Die Fragen waren umfassender als sie von uns vorformuliert wurden. Jede Gruppe hatte die Möglichkeit zusätzlich zwei berufsspezifische Fragen zu formulieren.

Das Thema Gender wurde bewusst nach dem Erarbeiten der eigentlichen Interviewfragen aufgeworfen, um die Schülerinnen und Schüler nicht mit zu vielen Themen gleichzeitig zu konfrontieren. Das Einbringen dieses Themas war eine Bereicherung. Gerade die Auseinandersetzung mit den verschiedenen Geschlechtern am Arbeitsplatz lässt sich sehr gut in den Kontext der Arbeitsplatzentwicklung integrieren. Vor allem das Interesse der Schülerinnen wurde schon bei wenig Provokation geweckt. Die Herren der Schöpfung waren dabei eher ruhig. ...wie könnte es anders sein.

Es folgte eine Übungsphase für die Interviews. Lehrkräfte des Schulhauses wurden zum Bereich ICT befragt. Die Interviews wurden mit Hilfe von Videokameras festgehalten um sie dann im Klassenverband zu besprechen und auszuwerten. Als Hilfe dazu wurde von der Lehrperson eine Kriterienliste für die Durchführung von Interviews abgegeben. Die Aufzeichnung mit einer Videokamera war sehr hilfreich und hat die Schülerinnen und Schüler schon bei der Übungsphase sehr motiviert. Bei der anschliessenden Auswertung konnten grobe Fehler erkannt und besprochen werden.

Die Gruppen mussten danach telefonisch einen Termin bei der ausgewählten Firma vereinbaren. Mit Schülerinnen und Schülern des Niveau A muss das Telefonieren unbedingt vorher besprochen und mindestens einmal geübt werden!

IV Präsentieren der Resultate mit Hilfe einer Powerpoint-Präsentation

Das Projekt hat sich aufgrund verschiedener Schulalltagssituationen verzögert (Sportstag, Abwesenheit der Lehrperson, Prüfungen, allgemeiner Schulbetrieb ...). Die ersten Gruppen haben die Interviews in den Firmen gemacht. Sie haben von mündlich von verschiedenen Erfahrungen berichtet ...

Ein Praxisbericht dieses Teils des Szenarios fällt somit weg.

Schlussfolgerungen und Erkenntnisse

Das Projekt hat für die Schülerinnen und Schüler wie auch für die Lehrkraft ein grosses Stück Arbeit in Anspruch genommen. Die Lernenden haben das Szenario nicht nur durchgeführt, sie haben es auch mitentwickelt. Grundlegende Aspekte der Berufswahl konnten behandelt werden. Der ganze Weg, der später für die Lehrstellenfindung nötig sein wird, wurde von den Schülerinnen und Schülern einmal beschritten. Suche von Berufen – Informationen über einen Beruf sammeln – Suche nach einem Betrieb in der Umgebung – telefonische Terminvereinbarung mit einem Betrieb – Gespräch mit Berufsleuten.

An sinnvollen Orten wurde ICT in Form von Internet, Office-Programmen, Videokamera und Fotokamera zur Arbeitsunterstützung eingesetzt.

Die Schülerinnen und Schüler erhielten einen Einblick in den ICT Bereich in der Arbeitswelt. Sie wurden auf die Auswirkungen der ICT auf Berufsbilder und die Arbeitsplatzsituation aufmerksam gemacht.

Neben den Lernzielen in ICT und BV konnten die Schülerinnen und Schüler die Kommunikation mit Leuten ausserhalb des Klassenzimmers üben. Vor allem in diesem Bereich hat das Szenario viel Zeit in Anspruch genommen. Das Einüben der Interviews und des Telefongesprächs dauerte länger als geplant. Das Projekt hat sich verschoben. Es hat sich aber gelohnt diese Zeit zu investieren. (Ein Zusammenschnitt einiger Übungsinterviews befindet sich auf der beiliegenden CD im Anhang.)

Anpassungen

Da sich die Recherche nach Berufen zu ICT-Tätigkeitsbereichen auf der Seite http://www.berufskunde.ch für die Schüler ziemlich schwierig gestaltete, haben wir nachträglich eine Anleitung zur Benutzung der Suchfunktion auf dieser Seite hergestellt. Sinnvoll könnte auch sein, vorgängig mit der Klasse eine Liste von Tätigkeiten am Computer auszuarbeiten und diese den Tätigkeitsbereichen zuzuordnen. Eine solche Vorarbeit würde den Schülerinnen und Schülern die Suche erleichtern.

Die Lernenden haben sich im Textverarbeitungsprogramm ohne Anleitung gut zurechtgefunden. Einzig das Einfügen von Tabellen bereitete ihnen Schwierigkeiten. Es muss vorher besprochen werden oder in einer Anleitung als Hilfe zur Verfügung stehen. Wir haben nachträglich eine Anleitung zur Benutzung hergestellt. Die Anleitung beinhaltet bewusst nur das einfache Einfügen von Tabellen ohne Sonderfunktionen.

Die Übungsinterviews nehmen viel Zeit in Anspruch. Da nur eine einzige Videokamera zur Verfügung stand, konnten zwei Gruppen nicht gefilmt werden. Es empfiehlt sich, die Interviews entweder auf mehrere Tage zu verteilen, oder mehrere Videokameras zu organisieren.

So wäre es möglich, dass das Szenario inklusive Terminvereinbarung durch die Schülerinnen und Schüler einmal ganz geübt werden könnte. Dieser Teil liesse sich gut in einen Wochenplan integrieren.

Für das durchführen eines Interviews sollten 30 Minuten eingerechnet werden. Für eine seriöse Auswertung sollte zusätzlich eine Doppellektion budgetiert werden.


ICT in der Berufswelt | Daniel Hänggi (BL) und Martin Hardmeier (BS)